Micron Document
____ _ _ _ _
| _ \ ___ | |_ (_) _ __ ___ __| | (_) __ _
| |_) | / _ \ | __| | | | '_ \ / _ \ / _| | | | / _ |
| _ < | __/ | |_ | | | |_) | | __/ | (_| | | | | (_| |
|_| \_\ \___| \__| |_| | .__/ \___| \__,_| |_| \__,_|
|_|


The NomadNet German Wikipedia | Archives | Info
- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b

🔍 Search

ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ

Astronomische Navigation
──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────
top
Astronomische Navigation ist der Oberbegriff fĂŒr alle Verfahren der Positionsbestimmung, die auf der Messung von Gestirnen (Sonne, Mond, Planeten oder ausgewĂ€hlten Fixsternen) beruhen. Sie eignet sich fĂŒr Anwendungen auf dem Festland, in der Nautik und in der Luftfahrt.

Auch einige astronomisch gestĂŒtzte Methoden der Richtungsmessung und ‑kontrolle zĂ€hlen zum Fachgebiet.

Contents

‱ Beispiel
‱ Beispiel
‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Weblinks

──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────

Prinzip der Methode

Die Astronomische Navigation ist eine Positionsbestimmung mit Sextant, Chronometer und astronomischem Almanach. Mit einem Sextanten misst ein ruhender Beobachter die scheinbare Höhe eines Gestirns (wozu auch Sonne, Mond oder Planeten zĂ€hlen) ĂŒber dem Horizont – auf See ĂŒber der Kimm – den sogenannten Höhenwinkel h. Gleichzeitig wird mit einem Chronometer oder synchronisierter Stoppuhr der sekundengenaue Zeitpunkt der Messung in Koordinierter Weltzeit (UTC) erfasst.

FĂŒr die Standortbestimmung wird der komplementĂ€re Winkel ζ = 90°− h berechnet (also anstatt des messbaren Winkelabstandes zum Horizont der entsprechende Winkel zum Zenit errechnet) – die sogenannte Zenitdistanz.

In Tabellen wie dem Nautical Almanac wird ermittelt, ĂŒber welchem Punkt Z der ErdoberflĂ€che das beobachtete Gestirn zum Messzeitpunkt genau im Zenit stand – der sogenannte Bildpunkt (geometrisch der Fußpunkt). Da der gemessene Höhenwinkel normalerweise nicht 90° betrĂ€gt, sondern 90° − ζ, muss sich der eigene Standort O auf einem Kreisbogen O mit einem durch den Winkel ζ bestimmten Abstand vom Punkt Z befinden – an einem der Orte also, an dem das Gestirn unter dem gemessenen Winkel erscheint. Da auf dem Globus Winkel- und Entfernungsangaben einander entsprechen, betrĂ€gt dessen Radius ζ * 60 Nautische Meilen (1 nm = 1/60 Grad).

Um einen eindeutigen Standort bestimmen zu können, muss die Messung mit einem anderen Gestirn (oder bei Messung des gleichen Gestirns mit einem ausreichenden zeitlichen Abstand) wiederholt werden. Diese liefert einen weiteren Punkt Z2, sowie einen zweiten Kreis mit einem durch ζ2 bestimmten Radius. Die beiden Kreise haben zwei (idealerweise sehr weit entfernte) Schnittpunkte, von denen lediglich einer als eigener Standpunkt infrage kommt.

Prinzip der seemÀnnischen Praxis

Bei der zeitlich versetzten Messung desselben Gestirns (etwa der Sonne) ist nachteilig, dass man Messungen mit ausreichend großem Zeitabstand (möglichst 3–4 Stunden oder Winkel > 45°) benötigt, da sonst die Standlinien einen schleifenden Schnittwinkel bilden und ungenau werden. Dieser Zeitabstand kann speziell bei unsicherem Wetter nicht immer eingehalten werden. Zudem ist eine mögliche zwischenzeitliche OrtsverĂ€nderung (Versegelung) zu berĂŒcksichtigen – diese kann je nach Bedingungen relativ genau abgeschĂ€tzt (gegisst) werden, bringt aber eine zusĂ€tzliche Ungenauigkeit ein.

GĂŒnstiger sind deshalb zeitnah ausgefĂŒhrte Messungen zu unterschiedlichen Gestirnen. Bei Tage sind zwar auch helle Sterne im Sextanten nur selten zu sehen, wohl aber oft der Mond und die Venus. Optimal ist untertags die Ortsbestimmung bei Halbmond, weil dann Sonne und Mond einen Winkel von etwa 90° einnehmen und zeitnah beide Messungen am Tag durchgefĂŒhrt werden können. Neu- und Vollmond hingegen sind fĂŒr die Ortsbestimmung auf See unbrauchbar.

Sternmessungen sind vor allem in der Zeit um Sonnenauf- bzw. Untergang möglich – bis zum Beginn bzw. dem Ende der nautischen DĂ€mmerung, in der neben den helleren Sternen ebenfalls der fĂŒr die Höhenbestimmung unabdingbare Horizont erkennbar bleibt. Von den im Nautical Almanac enthaltenen 60 Navigationssternen gibt es immer einige, deren gegenseitiger Winkel etwa 90° ist und deren Standlinien sich daher gut schneiden. Ein dritter Stern empfiehlt sich als Kontrolle. Beim Verfahren, wie es zur Verwendung der HO-249 Band 1 „selected stars“ sinnvoll ist, wird versucht, drei Fixsterne zu wĂ€hlen, deren Azimute sich jeweils um 60° unterscheiden. Solche Sternkonstellationen sind dort ebenso hervorgehoben wie besonders helle Sterne. Es ist sinnvoll, die Messungen in der DĂ€mmerungszeit von Ost nach West durchzufĂŒhren, um das zur VerfĂŒgung stehende Zeitfenster, in dem der Horizont und die Sterne sichtbar sind, optimal zu nutzen, denn die Sterne sind bei Sonnenuntergang als erstes im Osten und bei Sonnenaufgang als letztes im Westen zu sehen. – Zum Auffinden und identifizieren der Sterne wurde vereinzelt der praktische „U.S. Star Finder and Identifier No. 2102 D“, herausgegeben vom U.S. Navy Hydrographic Office, Washington,cite-ref-1[1] benutzt.

In der Praxis stellt sich das Problem, dass in der Regel auf keiner Karte mit sinnvoll nutzbarem Maßstab die Kreise um die Bildpunkte der Gestirne eingezeichnet werden können, da die AbstĂ€nde der Bildpunkte und der Schnittpunkte meist mehrere tausend Seemeilen voneinander entfernt sind. Beispielsweise wandert der Bildpunkt der Sonne (je nach Jahreszeit auf unterschiedlicher geografischer Breite zwischen den beiden Wendekreisen) mit 1667 km/h bzw. 900 kn von Ost nach West.

Daher wird fĂŒr die tatsĂ€chliche Bestimmung auf hoher See in die Seekarte, besser in eine mercatorskalierte Leerkarte (vgl. Skizzen rechts in den Bildern), zunĂ€chst eine SchĂ€tzposition (Rechenort oder gegisster Ort) eingezeichnet. FĂŒr den Bildpunkt des Gestirns, dessen Höhenwinkel man gemessen hat, zeichnet man dann das fĂŒr die SchĂ€tzposition berechnete Azimut (Horizontalwinkel) ein, ausgehend von der SchĂ€tzposition. Gleichzeitig berechnet man die Entfernung zwischen Bildpunkt und SchĂ€tzposition (berechnete Höhe) und trĂ€gt die Differenz zwischen berechneter Höhe und beobachteter Höhe (korrigierter Sextantenwinkel) auf dem Azimutstrahl ausgehend vom SchĂ€tzort auf. Die gesuchte Standlinie ist ein Kreis durch diesen Punkt, wobei der Bildpunkt des beobachteten Gestirns den Kreismittelpunkt darstellt. Um die zeichnerische Konstruktion zu vereinfachen, ersetzt man das KreisbogenstĂŒck durch die Tangente an den Kreis, die rechtwinklig an den Azimutstrahl konstruiert wird.

Die Werte der Beobachtung eines zweiten Gestirns fĂŒhren zu einer zweiten geraden Standlinie, der Schnittpunkt beider Standlinien gilt dann als gesuchter Ort. Werden drei Gestirne beobachtet, bilden die Standlinien im Allgemeinen ein Dreieck, dessen Mitte man als gesuchten Ort betrachtet.

FĂŒr die Berechnung des Azimuts und der Entfernung zum Gestirns-Bildpunkt benötigt man die LehrsĂ€tze der sphĂ€rischen Trigonometrie, speziell die des nautischen Dreiecks. Man kann die Ergebnisse der notwendigen Rechenoperationen aber auch aus mehrbĂ€ndigen Tabellenwerken (Pub. 249 bzw. Pub. 229 Sight Reduction Tables for Marine Navigation bzw. for Air Navigation), der amerikanischen National Geospatial-Intelligence Agencycite-ref-2[2] mit anschließender Interpolation ermitteln.

Umsetzung der seemÀnnischen Praxis

Oben genanntes Tabellenwerk, das bei der Handelsschifffahrt unter dem Begriff „HO-Tafeln“ rangierte, stellte fĂŒr die Berechnung des Schiffstandortes eine wesentliche Erleichterung dar. Bis etwa Mitte der 1960er Jahre wurde in der Praxis fast ausschließlich mit Nautischen JahrbĂŒchern (Ephemeriden) und Nautischen Tafeln, die Logarithmen- und weitere Hilfstabellen enthielten, „zu Fuß“ gerechnet; eine komplette Standortbestimmung mittels dreier Gestirne – siehe rechts – dauerte daher einschließlich der Beobachtung ca. 40 bis 45 Minuten. SpĂ€ter mit den HO-Tafeln konnte man Gleiches mĂŒhelos in etwa 10 Minuten schaffen. Allerdings duldeten manche Ă€lteren KapitĂ€ne das neue amerikanische Verfahren nicht.

Um auf deutschen Seefahrtschulen zu KapitĂ€nslehrgĂ€ngen (A6/AG) zugelassen zu werden, mussten bezĂŒglich der astronomischen Beobachtungen gesetzliche Bestimmungen erfĂŒllt werden.

Beschickung des Sextanten

Der mit dem Sextanten gemessene Winkelabstand h zwischen dem sichtbaren Horizont (der sogenannten Kimm) und dem Gestirn muss mehrfach korrigiert werden, bevor er zur Berechnung der Position benutzt werden kann:

‱ Bei der Beobachtung von Sonne und Mond muss noch der halbe Durchmesser (ca. 16â€Č) des Gestirns hinzugefĂŒgt oder abgezogen werden, je nachdem ob man die Unter- oder Oberkante beobachtet hat.
‱ Die Höhe des Beobachters ĂŒber dem Meeresspiegel, die sogenannten Augeshöhe – sie macht die Kimm ĂŒberhaupt erst sichtbar – lĂ€sst einen zu großen Winkel messen (die Kimmtiefe).
‱ Die Lichtstrahlen der Gestirne werden in der AtmosphĂ€re gebrochen. Diesen Effekt nennt man Refraktion, hier speziell Astronomische Refraktion und er ist umso stĂ€rker, je tiefer das Gestirn steht (je nĂ€her an der Kimm). Wenn die Sonne scheinbar untergeht, ist sie in Wahrheit schon etwa 0,6° tiefer. Die Refraktion nimmt fĂŒr kleine Winkel stark zu (bei 5 Grad rund 10â€Č) und hĂ€ngt von Lufttemperatur und ‑druck ab. Deshalb vertraut der Navigator einer Messung bei Kimmabstand unter 10 Grad nur eingeschrĂ€nkt.
‱ Die Formel ζ = 90° − h gilt nur fĂŒr unendlich weit entfernte Objekte. Der dadurch verursachte Fehler heißt Horizontalparallaxe. Sie ist bei der Astronavigation mit Sonne und Fixsternen vernachlĂ€ssigbar, aber nicht fĂŒr die Planeten (Korrekturen bis etwa 0,5â€Č) und besonders beim Mond (bis zu 1°02â€Č).

Werte fĂŒr diese Korrekturen finden sich ebenfalls als Tabellen im nautischen Almanach, die als „Gesamtbeschickung fĂŒr den Kimmabstand des Sonnenunterrandes“, „Gesamtbeschickung fĂŒr den Kimmabstand eines Fixsterns oder Planeten“ und „Gesamtbeschickung fĂŒr den Kimmabstand des Mondunterrandes“ sowie „Zusatzbeschickungen“ bezeichnet sind.

Genauigkeit und Grenzen der Astronavigation

Mit Hilfe einer sekundengenauen Uhr, des aktuellen Almanach und eines handelsĂŒblichen Sextanten erreicht ein geĂŒbter Beobachter bei idealen Bedingungen Genauigkeiten der Sternmessung von 1â€Č und in der Position 1–2 Seemeilen. In der Praxis sind die Bedingungen selten ideal:

‱ An Bord von Schiffen steht man auf etwas schwankendem Untergrund. Der Marine- oder Spiegelsextant kann das großteils ausgleichen (Gestirn und Kimm bleiben fast in Deckung), doch nur solange sie nicht aus dem Gesichtsfeld heraus wackeln.
‱ Wolken und Dunstschleier behindern oft die Sicht auf die Gestirne. Astronavigation ist aber nur möglich bei zumindest teilweise freiem Himmel. GĂŒnstiger als im Schnitt sind hier die Rossbreiten (15–30° Breitengrad) und hohe Breiten. Die 60 Navigationssterne im Almanach reichen zwar auch bei halber Bewölkung aus, sind aber nicht immer identifizierbar.
‱ Der Nachthimmel am Meer ist nicht deutlich heller als die Kimm, sodass Höhenmessungen unsicher sind – auch wenn die Kimm scheinbar gut wahrnehmbar ist. Mit ĂŒblichen Sextanten sind daher Sterne und Planeten nur in der Morgen- und AbenddĂ€mmerung genau messbar. Ein Blasensextant (mit eingespiegelter, beleuchteter Libelle) schafft hier Abhilfe.
‱ Tief stehende Gestirne sind im Sextanten zwar leichter zu finden als hohe, fĂŒr die Berechnung aber unsicherer.

Ein Beispiel aus der Praxis zeigt nebenstehende Berechnung/Skizze. – Hier erkennt man sofort, dass Koppelort Og und beobachteter Ort Ob weit auseinander liegen. – Dies ist das Beobachtungsergebnis nach 3 Tagen anhaltend schlechtem Wetter (Winter Nordatlantik) mit geschlossener Wolkendecke und keiner Möglichkeit einer astronomischen Ortsbestimmung. – Allein dieses Beispiel verdeutlicht, warum es bei SeenotfĂ€llen mitunter zu falschen Positionsangaben kommen konnte, mit Standortabweichungen von 10, 20 und mehr Seemeilen. – Interessant ist hierzu der Spiegel-Artikel 1958 ĂŒber den Untergang des Segelschulschiffs Pamir, der sich u. a. auch mit der fehlerhaften Positionsangabe beschĂ€ftigt.cite-ref-der-spiegel-30-1958-3-0[3]

Berechnung der Standlinie

Zur Berechnung der im Kapitel „Prinzip der seemĂ€nnischen Praxis“ beschriebenen Standlinie betrachte man das durch den Nordpol, das Gestirn (hier die Sonne) und den Zenit des Standortes am Himmelszelt aufgespannte sphĂ€rische Dreieck. In diesem Dreieck sind

‱ die Seite a = 90 ∘ ∘ − − ή ή {\displaystyle a=90^{\circ }-\delta } , wobei ή ή {\displaystyle \delta } die momentane Deklination des beobachteten Gestirns ist
‱ die Seite b = 90 ∘ ∘ − − φ φ {\displaystyle b=90^{\circ }-\varphi } , wobei φ φ {\displaystyle \varphi } die geographische Breite des Beobachters ist
‱ die Seite c = 90 ∘ ∘ − − h {\displaystyle c=90^{\circ }-h} , wobei c {\displaystyle c} die Zenitdistanz z {\displaystyle z} des Gestirns und h {\displaystyle h} die Höhe des Gestirns ĂŒber dem Horizont sind.

G r t {\displaystyle Grt} ist der Greenwich-Stundenwinkel des beobachteten Gestirns.
Îł Îł {\displaystyle \gamma } ist der Winkel zwischen den Meridianen des Beobachters und des Gestirns.
λ λ {\displaystyle \lambda } ist die geographische LÀnge des Beobachters, wobei östliche LÀngen positiv und westliche LÀngen negativ angegeben werden.

Das beschriebene Dreieck kann unter anderem mit dem Seiten-Kosinussatz der sphÀrischen Trigonometrie berechnet werden. Dieser Kosinussatz lautet:

cos ⁡ ⁡ c = cos ⁡ ⁡ a ⋅ ⋅ cos ⁡ ⁡ b + sin ⁡ ⁡ a ⋅ ⋅ sin ⁡ ⁡ b ⋅ ⋅ cos ⁡ ⁡ γ γ {\displaystyle \,\cos c=\cos a\cdot \cos b+\sin a\cdot \sin b\cdot \cos \gamma }

Ersetzt man a {\displaystyle a} , b {\displaystyle b} und c {\displaystyle c} wie oben beschrieben, so folgt fĂŒr Îł Îł {\displaystyle \gamma } :

cos ⁥ ⁥ Îł Îł = sin ⁥ ⁥ h − − sin ⁥ ⁥ ÎŽ ÎŽ ⋅ ⋅ sin ⁥ ⁥ φ φ cos ⁥ ⁥ ÎŽ ÎŽ ⋅ ⋅ cos ⁥ ⁥ φ φ {\displaystyle \,\cos \gamma ={\frac {\sin h-\sin \delta \cdot \sin \varphi }{\cos \delta \cdot \cos \varphi }}}

Die geographische LÀnge λ λ {\displaystyle \lambda } ist:

λ λ = Îł Îł − − G r t {\displaystyle \lambda =\gamma -Grt}

also:

λ
=
±
arccos
⁥
[
sin
⁥
h
−
sin
⁥
ÎŽ
⋅
sin
⁥
φ
cos
⁥
ÎŽ
⋅
cos
⁥
φ
]
−
G
r
t
{\displaystyle \lambda =\pm \arccos \left[{\frac {\sin h-\sin \delta \cdot \sin \varphi }{\cos \delta \cdot \cos \varphi }}\right]-Grt}

Der Beobachter bestimmt mit dem Sextanten zu einem bestimmten Zeitpunkt die Höhe h {\displaystyle h} des Gestirns. Der Greenwich Stundenwinkel G r t {\displaystyle Grt} und die Deklination ÎŽ ÎŽ {\displaystyle \delta } des Gestirns werden fĂŒr diesen Zeitpunkt der Nautischen Tafelcite-ref-almanach-4-0[4] entnommen. FĂŒr jede mögliche Breite φ φ {\displaystyle \varphi } des Beobachters, kann die dazugehörende LĂ€nge λ λ {\displaystyle \lambda } mit obiger Formel berechnet werden. Das Ergebnis ist eine geschlossene Standlinie auf der ErdoberflĂ€che. Von jedem Punkt dieser Standlinie (in der Grafik blau eingezeichnet), wird das Gestirn zu einem bestimmten Zeitpunkt in gleicher Höhe h {\displaystyle h} gesehen.

Berechnet man aus zwei Breiten φ φ 1 {\displaystyle \varphi _{1}} und φ φ 2 {\displaystyle \varphi _{2}} die dazugehörenden LĂ€ngen λ λ 1 {\displaystyle \lambda _{1}} und λ λ 2 {\displaystyle \lambda _{2}} , und verbindet man die beiden Punkte auf der Karte, so entsteht die Standlinie, auf der sich der Beobachter befinden muss.

Beispiel

Ein Beobachter, der sich in der Sahara irgendwo auf einer geographischen Breite zwischen 24° und 26° Nord befindet, misst am Dienstag, 13. April 2021 um 14:00 Uhr UTC die Höhe der Sonne ĂŒber dem Horizont. Die gemessene und beschickte Höhe der Sonne ist h = 50 ∘ ∘ 36.0 â€Č = 50.60 ∘ ∘ {\displaystyle h=50^{\circ }36.0'=50.60^{\circ }} . GemĂ€ĂŸ dem Nautischen Almanachcite-ref-almanach-4-1[4] hat die Sonne zu diesem Zeitpunkt eine Deklination ÎŽ ÎŽ = N 09 ∘ ∘ 15.6 â€Č = 9.26 ∘ ∘ {\displaystyle \delta =N09^{\circ }15.6'=9.26^{\circ }} und einen Greenwich-Stundenwinkel G r t = 29 ∘ ∘ 52.8 â€Č = 29.88 ∘ ∘ {\displaystyle Grt=29^{\circ }52.8'=29.88^{\circ }} . FĂŒr die zwei Breitengrade φ φ 1 = 24 ∘ ∘ {\displaystyle \varphi _{1}=24^{\circ }} und φ φ 2 = 26 ∘ ∘ {\displaystyle \varphi _{2}=26^{\circ }} berechnen sich die zwei dazugehörenden LĂ€ngen als λ λ 1 = 8 ∘ ∘ 27 â€Č {\displaystyle \lambda _{1}=8^{\circ }27'} und λ λ 2 = 7 ∘ ∘ 47 â€Č {\displaystyle \lambda _{2}=7^{\circ }47'} . Der Beobachter muss sich auf der 235 km langen Verbindungslinie zwischen den zwei Standorten ( φ φ 1 , λ λ 1 ) {\displaystyle (\varphi _{1},\lambda _{1})} und ( φ φ 2 , λ λ 2 ) {\displaystyle (\varphi _{2},\lambda _{2})} im Tassili n'Ajjer befinden. Berechnet man mit einem zweiten Gestirn oder wieder mit der Sonne zu einem anderen Zeitpunkt eine zweite Standlinie, so werden sich diese am Standort des Beobachters kreuzen.

Berechnet man die LĂ€ngen λ λ {\displaystyle \lambda } nicht nur fĂŒr die zwei gewĂ€hlten Breiten φ φ 1 {\displaystyle \varphi _{1}} und φ φ 2 {\displaystyle \varphi _{2}} , sondern fĂŒr alle möglichen Breiten, so entsteht die in der oberen Grafik blau eingezeichnete Standlinie auf der ErdoberflĂ€che, von der aus alle Beobachter die Sonne zum angegebenen Zeitpunkt auf einer Höhe von h = 50 ∘ ∘ 36 â€Č {\displaystyle h=50^{\circ }36'} sehen. Wie die (blaue) Standlinie zeigt, gibt es im Atlantik östlich der Bahamas noch einen zweiten Standort zwischen 24° und 26° Nord an dem die Sonne auf gleicher Höhe beobachtet wird. Zur Berechnung der LĂ€nge dieses Standortes wird obige Formel mit dem Minuszeichen vor dem arccos {\displaystyle \arccos } angewandt.

Berechnung der Standlinie bei ungefÀhr bekanntem Ort

Ein zweiter Weg, die Standlinie, bei ungefĂ€hr bekanntem Standort zu bestimmen, basiert auf der Messung der Höhe eines Gestirns und der gerechneten Höhe des Gestirns am geschĂ€tzten Ort. Die Seemeile ist die Distanz auf der ErdoberflĂ€che, die im Zentrum der Erde, bzw. im Zentrum der Himmelskugel einen Winkel von einer Bogenminute ( 1 â€Č {\displaystyle 1'} ) aufspannt. Wenn die gemessene Höhe des Gestirns um x {\displaystyle x} Bogenminuten kleiner als die fĂŒr den geschĂ€tzten Standort und fĂŒr einen bestimmten Zeitpunkt berechnete Höhe ist, so befindet sich der Beobachter wegen der ErdkrĂŒmmung auf einer Linie, die sich vom Gestirn aus gesehen um x {\displaystyle x} Seemeilen hinter dem geschĂ€tzten Ort befindet. Die Höhe des Gestirns fĂŒr den geschĂ€tzten Standort (đŸȘ) berechnet sich (wie oben) mit dem sphĂ€rischen Seitenkosinussatz

cos ⁡ ⁡ c = cos ⁡ ⁡ a ⋅ ⋅ cos ⁡ ⁡ b + sin ⁡ ⁡ a ⋅ ⋅ sin ⁡ ⁡ b ⋅ ⋅ cos ⁡ ⁡ γ γ {\displaystyle \cos c=\cos a\cdot \cos b+\sin a\cdot \sin b\cdot \cos \gamma }

wobei wieder gilt: a = 90 ∘ ∘ − − ÎŽ ÎŽ {\displaystyle a=90^{\circ }-\delta } , b = 90 ∘ ∘ − − φ φ {\displaystyle \;\;b=90^{\circ }-\varphi \;\;} und c = 90 ∘ ∘ − − h {\displaystyle \;\;c=90^{\circ }-h}

Der Winkel Îł Îł {\displaystyle \gamma } ist die Summe der geographischen LĂ€nge des vermuteten Ortes und des momentanen Greenwich-Stundenwinkels des Gestirns.

γ γ = G r t + λ λ {\displaystyle \gamma =Grt+\lambda }

Den momentanen Greenwich-Stundenwinkel entnimmt man dem astronomischen Almanachcite-ref-almanach-4-2[4].

Ersetzt man im Seitenkosinussatz a , b {\displaystyle a,b} und c {\displaystyle c} wie beschrieben, so folgt:

sin ⁥ ⁥ h = sin ⁥ ⁥ φ φ ⋅ ⋅ sin ⁥ ⁥ ÎŽ ÎŽ + cos ⁥ ⁥ φ φ ⋅ ⋅ cos ⁥ ⁥ ÎŽ ÎŽ ⋅ ⋅ cos ⁥ ⁥ Îł Îł {\displaystyle \sin h=\sin \varphi \cdot \sin \delta +\cos \varphi \cdot \cos \delta \cdot \cos \gamma }

Die berechnete Höhe h {\displaystyle h} ist also:

h
=
arcsin
⁥
[
sin
⁥
φ
⋅
sin
⁥
ÎŽ
+
cos
⁥
φ
⋅
cos
⁥
ÎŽ
⋅
cos
⁥
Îł
]
{\displaystyle h=\arcsin \lbrack \sin \varphi \cdot \sin \delta +\cos \varphi \cdot \cos \delta \cdot \cos \gamma \rbrack }

Das Azimut des Gestirns lĂ€sst sich fĂŒr den geschĂ€tzten Ort und die gegebene Zeit aus dem folgenden Seitenkosinussatz berechnen:

cos ⁥ ⁥ a = cos ⁥ ⁥ b ⋅ ⋅ cos ⁥ ⁥ c + sin ⁥ ⁥ b ⋅ ⋅ sin ⁥ ⁥ c ⋅ ⋅ cos ⁥ ⁥ α α {\displaystyle \,\cos a=\cos b\cdot \cos c+\sin b\cdot \sin c\cdot \cos \alpha }

Ersetzt man in letzter Formel wie oben gegeben die Werte a , b , c {\displaystyle a,b,c} und löst nach α α {\displaystyle \alpha } auf, so folgt:

α
=
±
arccos
⁥
[
sin
⁥
ÎŽ
−
sin
⁥
h
⋅
sin
⁥
φ
cos
⁥
h
⋅
cos
⁥
φ
]
{\displaystyle \alpha =\pm \arccos \left[{\frac {\sin \delta -\sin h\cdot \sin \varphi }{\cos h\cdot \cos \varphi }}\right]}

Jetzt sind fĂŒr einen bestimmten Zeitpunkt und fĂŒr einen bestimmten geschĂ€tzten Ort das Azimuth und die Höhe des Gestirns bekannt. Die ArcCos-Funktion liefert positive und negative Winkel im Bereich von 0° bis 180°. Wird der Winkel α α {\displaystyle \alpha } als positiv angenommen, so ist α α {\displaystyle \alpha } das nach Osten gerichtete Azimut. Wird der Winkel α α {\displaystyle \alpha } als negativ angenommen, so ist es ein nach Westen gerichtetes Azimut = 360 ∘ ∘ + α α {\displaystyle =360^{\circ }+\alpha } .

Beispiel

Sie befinden sich in der NĂ€he der Oase El Golea, wissen aber nicht, ob Sie östlich oder westlich der Oase sind. Das Zentrum der Oase befindet sich bei den Koordinaten φ φ = 30 ∘ ∘ 35.0 â€Č N {\displaystyle \varphi =30^{\circ }35.0'N} und λ λ = 002 ∘ ∘ 53.0 â€Č E {\displaystyle \lambda =002^{\circ }53.0'E} . Es ist Montag, 21. Juni 2021 16:00 UTC Uhr und Sie haben in der SandwĂŒste eine Messung der Sonnenhöhe durchgefĂŒhrt: h M = 55 ∘ ∘ 41.8 â€Č {\displaystyle h_{M}=55^{\circ }41.8'} . GemĂ€ĂŸ Almanachcite-ref-almanach-4-3[4] sind der Greenwich-Stundenwinkel und die Deklination der Sonne zu diesem Zeitpunkt: G r t = 59 ∘ ∘ 31.3 â€Č {\displaystyle Grt=59^{\circ }31.3'} und ÎŽ ÎŽ = N 23 ∘ ∘ 26.2 â€Č {\displaystyle \delta =N23^{\circ }26.2'} . Setzt man φ φ {\displaystyle \varphi } , ÎŽ ÎŽ {\displaystyle \delta } und Îł Îł = G r t + λ λ = 62.405 ∘ ∘ {\displaystyle \gamma =Grt+\lambda =62.405^{\circ }} in der Höhenformel ein, so sieht man, dass die Sonne an diesem Tag zur gegebenen Zeit h = 55 ∘ ∘ 22.3 â€Č {\displaystyle h=55^{\circ }22.3'} ĂŒber dem Horizont El Goleas steht. Setzt man diese Höhe h {\displaystyle h} , ÎŽ ÎŽ {\displaystyle \delta } und φ φ {\displaystyle \varphi } in der Formel fĂŒr das Azimut ein, so findet man, dass das Azimut α α = 267 ∘ ∘ 33.0 â€Č {\displaystyle \alpha =267^{\circ }33.0'} oder α α = 92 ∘ ∘ 27.1 â€Č {\displaystyle \alpha =92^{\circ }27.1'} ist. Wir wissen, dass um 16 Uhr UTC die Sonne westlich von El Golea steht und fĂŒr uns daher das erste Azimut gilt.

Die in der WĂŒste gemessene Höhe h M {\displaystyle h_{M}} ist 19,5' grĂ¶ĂŸer, als die Sonnenhöhe, die wir zu gegebenem Zeitpunkt in El Golea beobachtet hĂ€tten. Wir befinden uns also auf einer 19,5 Seemeilen von El Golea entfernten, in Richtung Sonne gelegenen Standlinie. Auf der Karte zeichnet man von El Golea ausgehend eine Linie mit dem Azimut α α = 267 ∘ ∘ 33.0 â€Č {\displaystyle \alpha =267^{\circ }33.0'} ein und quer dazu in einer Distanz von 19,5 NM = 36,11 km unsere Standlinie. Wir befinden uns westlich von El Golea. Eine zweite Messung mit einem anderen Gestirn oder eine zweite Messung der Sonnenhöhe zu einem anderen Zeitpunkt ergĂ€be eine zweite Standlinie. Unser Standort ist der Schnittpunkt der beiden Standlinien.

ErgÀnzende Verfahren

Bestimmung des Breitengrads

Die geografische Breite lÀsst sich auch direkt durch Messung des Höchststandes der Sonne (sogenanntes Mittagsbesteck) oder eines markanten Fixsterns (Obere Kulmination) bestimmen. Bis zur Erfindung des Sextanten erfolgte dies mit dem Jakobsstab. Bei ruhiger See und deutlich erkennbarem Horizont ist mit modernen Sextanten eine Genauigkeit von ca. einer Bogenminute (1/60 Grad) erreichbar, was in Position einer Seemeile (1852 m) entspricht. Diese Form der Astronavigation wird auch Breitensegeln und das Ergebnis die Mittagsbreite genannt.

Der Polarstern nimmt unter den Gestirnen eine Sonderrolle ein, da er nördlich des ErdÀquators durch seine Lage nahe am Himmelspol wÀhrend der ganzen Nacht sichtbar, leicht identifizierbar und ausreichend hell ist. Aus dem gemessenen Höhenwinkel des Polarsterns ergibt sich der Breitengrad nach nur wenigen rechnerischen Korrekturen (maximal 0,9°) unmittelbar.

Beobachtet man die Obere Kulmination eines Gestirns, spricht man von einer Meridianbreite. Auch sie ist einfach auszuwerten (vereinfachte Sterneck-Methode) und wenn die SĂŒdrichtung nicht genau bekannt ist, können die Messungen auch zirkummeridian erfolgen.

Bestimmung des LĂ€ngengrads

Die Bestimmung der geografischen LÀnge ist nur mit Hilfe einer genauen Zeitmessung möglich und ist in die Geschichte der Seefahrt als das LÀngenproblem eingegangen. Die Orientierung des Sternhimmels hÀngt ab vom Tag, der Weltzeit und dem LÀngengrad. Sind Datum und Uhrzeit (UTC) bekannt, erhÀlt man die LÀnge aus der Sternposition.

Beispiel 1: Am Ausgangspunkt ist um 2:00 Uhr Sonnenzeit der zirkumpolare Große Wagen so wie im Bild orientiert. An anderen LĂ€ngengrad-Positionen erscheint er entsprechend dem LĂ€ngenwinkel gedreht: Bei einer um 30° östlicheren Position steht er an der Position 4, bei 30° westlich an Position 0.

Beispiel 2: Entlang eines Breitengrads wird dieselbe Position des Großen Wagens zu anderen Zeiten erreicht. Ein Unterschied von einem LĂ€ngengrad verursacht eine Zeitverschiebung von 24h/360°, also 4 Minuten. Erreicht beispielsweise der Große Wagen die Position erst um 3:00 Uhr, befindet man sich 15° westlicher vom Ausgangspunkt.

Beobachtet man den Kulminationszeitpunkt der Sonne aus ihrem Höhenwinkel, so kann man aus dem nautischen Almanach die LĂ€nge des eigenen Standorts ermitteln. Wegen der um die Mittagszeit fast horizontalen Sonnenbahn ist die Kulmination nur durch Mittelung zweier Zeiten gleicher Sonnenhöhe vor und nach der Kulmination genau genug bestimmbar. Hat sich der Beobachter zwischen diesen zwei Zeitpunkten bewegt, so sind insbesondere fĂŒr Nord-SĂŒd Ortswechsel Korrekturen fĂŒr die zweite Sonnenhöhe erforderlich (siehe Versegelung).

Viermal im Jahr (16. April, 14. Juni, 1. September und 25. Dezember) ist die Zeitgleichung Null. Rund um diese Tage kann die LĂ€nge ohne zusĂ€tzliche Tabellen – nur aus dem Höchststand der Sonne und der Weltzeit UTC – bestimmen.

Das LÀngenproblem konnte man vor Erfindung des Schiffschronometers nur nÀherungsweise mit Tobias Mayers Methode der Monddistanzen lösen, allerdings bestenfalls auf Zehntelgrad genau. Denn

‱ die Mondbahn unterliegt zahlreichen schwer berechenbaren Störungen,
‱ und bewegt sich nur jede Stunde um seinen Durchmesser weiter;
‱ die Haltung des MessgerĂ€ts, mit dem der Winkel zwischen Mond und Stern gemessen wird, ist schwierig, da zwei annĂ€hernd punktförmige Objekte gleichzeitig und z. T. unter großen Winkeln zu erfassen sind.

Allerdings schreibt Georg Forster ĂŒber seine Weltreise mit James Cook 1774 bei der Osterinsel, dass trotz der neuen Chronometer (nach John Harrison) die Methode der LĂ€ngenbestimmung mittels Monddistanzen die genaueste sei. Inzwischen gibt es neue Tafeln von Bruce Stark zu Monddistanzen (s. u.), mit denen sich Zeit und Ort auf See bestimmen lassen.

Weitere Entwicklung und moderne Positionsbestimmung

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren hochprĂ€zise, robuste Uhren so billig geworden, dass sich jeder KapitĂ€n eine solche leisten konnte, und das Prinzip der Zeitmessung setzte sich endgĂŒltig gegen Mayers Methode der Monddistanzen durch. Da sich die Erde am Äquator mit ca. 463 m/s bewegt, verursacht ein Uhrenfehler von 1 s einen Positionsfehler von bis zu 463 m. Mit EinfĂŒhrung des Kurzwellenfunks konnten sekundengenaue Zeitinformationen (Zeitzeichen) auf hoher See mit einfachen RadiogerĂ€ten empfangen werden, wodurch sich die Positionsbestimmung weiter verbesserte. Heute verwendet der Navigator zur Positionsbestimmung das Höhendifferenzverfahren nach Marcq Saint-Hilaire: Dabei wird die Höhe eines Gestirns ĂŒber dem Horizont fĂŒr den Koppelort zum Messzeitpunkt berechnet.

Die Höhengleiche (die Linie auf der ErdoberflĂ€che, von der aus alle Beobachter fĂŒr ein bestimmtes Gestirn denselben Höhenwinkel messen) ist ein Kreis auf der ErdoberflĂ€che. Alle Beobachter auf dieser Linie sind gleich weit vom Bildpunkt entfernt, dem Ort, an dem die Verbindungslinie zwischen Gestirn und Erdmittelpunkt die ErdoberflĂ€che durchstĂ¶ĂŸt. Aufgrund des großen Radius dieser Kreise kann die Höhengleiche in der Praxis als Gerade angenommen werden, wenn der Höhenwinkel des Gestirns ĂŒber dem Horizont kleiner als 85° ist. Daraus ergibt sich eine Standlinie. Schneidet man Standlinien mehrerer Gestirne, erhĂ€lt man einen wahren Ort. Wenn man z. B. am Tag nur die Sonne als einziges Gestirn zur VerfĂŒgung hat, „versegelt“ man die Standlinie, verschiebt sie also entlang des Kurses um die zurĂŒckgelegte Distanz, bis man eine andere Standlinie erhĂ€lt, mit der diese zum Schnitt gebracht werden kann. Dieses „Versegeln“ kann man auf alle Arten von Standlinien anwenden (siehe hierzu Navigation).

Heutzutage verwenden Schiffe zur Navigation Navigationssatellitensysteme, doch sind Mittel fĂŒr die Positionsbestimmung mit astronomischen Methoden (also Tabellen und GerĂ€te) weiterhin vorgeschrieben. Nach einer etwa zehnjĂ€hrigen Pause unterrichtet die US-Navy seit 2011 wieder Navigatoren, und seit Herbst 2015 alle Offiziere, in Astronomischer Navigation.cite-ref-5[5]

Siehe auch

‱ Astronomisch-inertiale Navigation

Literatur

‱ Dava Sobel: LĂ€ngengrad. btb Taschenbuch, 1998, ISBN 3-442-72318-3. (Engl. Orig.: Longitude, 1995)
‱ Frank Mestemacher: Astronomische Navigation. Nicht nur zum Ankommen. Kruse, Stralsund 2013, ISBN 978-3-941444-87-4
‱ Wolf Nebe: Praxis der Astronavigation. ErklĂ€rung der Grundlagen anhand farbiger Grafiken; schnelle Standortbestimmung durch klar strukturierte Anweisungen. Delius Klasing, Bielefeld 1997, ISBN 3-7688-0984-6
‱ Bobby Schenk: Astronavigation. Delius Klasing, Bielefeld 2000, ISBN 3-7688-0259-0
‱ Gerhard Meyer-Uhl: Praktische Astronavigation mit Weltumseglern. (= BLV-Bordpraxis, Nr. 7) BLV-Verlagsgesellschaft, MĂŒnchen / Wien / ZĂŒrich 1980, ISBN 3-405-12219-8
‱ Karl-Richard Albrand: Astronomische Navigation heute. (= Up to date, Weiterbildung an Bord, Nr. 24) Herausgegeben vom Sozialwerk fĂŒr Seeleute e. V., Hamburg. Neue ĂŒberarbeitete Auflage, Stand 1991. Hamburg: Sfs, 1991
‱ Mary Blewitt: Praktisches Navigieren nach Gestirnen. Delius Klasing, Bielefeld 1992, ISBN 978-3-87412-033-3
‱ Walter Stein; Werner Kumm: Astronomische Navigation. (Yacht-BĂŒcherei, Band 88) 11. Auflage. Delius Klasing, Bielefeld 2002, ISBN 3-87412-138-0
‱ Werner F. Schmidt: Astronomische Navigation. Ein Lehr- und Handbuch fĂŒr Studenten und Praktiker. 2. Auflage. Springer, Berlin / Heidelberg / New York / Barcelona / Budapest / Hong Kong / London / Mailand / Paris / Santa Clara / Singapur / Tokyo 1996, ISBN 3-540-60337-9
‱ Winfried Böhm: Handbuch der Navigation – Begriffe, Formeln, Verfahren, Schemata. Bussesche Verlagshandlung, Herford 1978, ISBN 3-87120-323-8
‱ Joachim Böhme, Walter Steinfatt, Lothar Uhlig: Astronomische Navigation. (= Leitfaden der Navigation). 4. Auflage. Transpress Verlag fĂŒr Verkehrswesen, Berlin 1987, ISBN 3-344-00000-4
‱ C. S. Draper: Space navigation – guidance and control. Mackay, London 1966
‱ Edward V. Stearns: Navigation and guidance in space. Prentice-Hall, Englewood Cliffs NJ 1963
‱ Hasso Eichel: Ortsbestimmung nach Gestirnen. Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart 1962
‱ Robert A. Park, Thomas Magness: Interplanetary navigation – principles and methods for journeys to other planets. Holt, Rinehart and Winston, New York 1964
‱ Erwin Schrödinger; P. Jordan; H. Siedentopf: Orientierung im Weltall. (= Das internationale Forum, Heft 3). Fontana-Verlag, ZĂŒrich 1954
‱ Markus Werthmann: Astronavigation. Dipl.-Arb., Uni.Innsbruck, 2008
‱ Sergejs Slaucitajs: Über die astronomische Navigation in hohen Breiten = On astronomical navigation in high latitudes. (= Contributions of Baltic University, Nor.14) Baltic University, Pinneberg 1947. 16 Seiten Umfang
‱ Stark, Bruce: Stark Tables for Clearing the Lunar Distance and finding Universal Time by Sextant Observation (3. edition 2010), www.starpath.com/publications, ISBN 978-0-914025-21-4.

Weblinks

Commons

: Astronomische Navigation

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ Schrittweise Anleitung zur Astronavigation
‱ Astronomische Navigation inkl. Monddistanzen
‱ Astronavigation beim Segeln
‱ Ephemeriden und Sternenpositionen

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ siehe in der englischen Wikipedia
cite-note-22. ↑ Maritime Safety Information. In: msi.nga.mil, abgerufen am 15. November 2012
cite-note-der-spiegel-30-1958-33. ↑ Pamir-Untergang, Drei Fragen. In: Der Spiegel. Nr. 30, 1958 (online).
cite-note-almanach-44. ↑ Zum Beispiel: The Nautical Almanac 2021 (Memento vom 22. Januar 2021 im Internet Archive) abgerufen am 15. Mai 2023
cite-note-55. ↑ Tim Prudente: Seeing stars, again: Naval Academy reinstates celestial navigation. (Memento vom 20. Februar 2016 im Internet Archive) In: Capital Gazette, 12. Oktober 2015; abgerufen am 15. Mai 2023